TV Oberhundem 2008
Die Geschichte des Turnens in Oberhundem
Der Turnverein Oberhundem wurde im Sommer 1907 gegründet und „bezweckte”, wie es im § 1 der „Satzungen” vom 2. Juni 1907 heißt, “die Ausbildung körperlicher Kraft und Gewandheit, sowie Erweckung und Befestigung einer sittlich-mannhaften und vaterländischen Gesinnung”.Ganz im Sinne des wilhelminischen Zeitgeistes war das Turnen in den frühen Vereinsjahren den Männern ab 17 Jahren und den Turnschülern (14 - 17 Jahre) vorbehalten. Erster Vorsitzender wurde 1907 Ludwig Hanses, Erster Turnwart August Korte. Geturnt wurde in einem von Ludwig Hanses an seiner Gastwirtschaft “Zur Adolfsburg” angebauten Turnsaal. In den Aufzeichnungen, die das Gründungsmitglied Aloys Volmert 1960 zusammenstellte, finden sich Berichte über das frühe Vereinsleben, die Turnstunden, die Stellung des Vereins in der Deutschen Turnerschaft, über Erfolge bei Wettkämpfen im Turnbezirk, aber auch über Schwierigkeiten. Turnen war in dieser Zeit eher ein Kraftturnen (im Gegensatz zum heutigen “Schwungturnen”) mit fest umrissenen Übungs- und Wettkampffolgen. Durch Kraft und exakte Haltung sollte ein Höchstmaß an Körperbeherrschung und Selbstsicherheit erreicht werden. Dieser einseitigen Körperertüchtigung setzte man jedoch bald ein Gegengewicht durch Gymnastik, Ballspiele und leichtathletische Übungen, genannt “volkstümliches Turnen”, entgegen. Letzteres wurde beim TV Oberhundem besonders gepflegt und gefördert. Ein Höhepunkt im Vereinsleben war die Fahnenweihe 1910 mit Festkommers, Festzug durch das Dorf und Wettturnen auf dem Schützenplatz.
Vor und nach dem Ersten Weltkrieg spielte auch das gesellschaftliche Leben innerhalb des Vereins und in gutem Einvernehmen und Zusammenwirken mit den anderen örtlichen Vereinen eine große Rolle. Es gab Weihnachtsfeiern und Fastnachtsbälle, und man bereicherte dörfliche Feste mit Turnerreigen, Ehrenpforten und der Teilnahme des vereinseigenen Tambourcorps. Während der Kriegsjahre 1914 bis 1918 kam die turnerische Tätigkeit völlig zum Erliegen, und eine Reihe von Vereinsmitgliedern kehrte nicht aus dem Krieg zurück. Aber schon im Januar 1919 wurde ein Neuanfang gemacht, und in den folgenden Jahren waren die Oberhundemer Turner bei Wettkämpfen sehr erfolgreich, jedoch nahm das Interesse am Turnen Ende der 1930er Jahre ab, zum Teil dadurch bedingt, dass der Verein 1936 dem “Reichsbund für Leibesübungen” unterstellt wurde. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges erlosch die gesamte Vereinstätigkeit.
Die ungeheuren Zerstörungen von Oberhundem am Ende des Krieges trafen auch den Turnverein schwer. Es waren zahlreiche Tote und Vermisste zu beklagen. Im Krieg waren auch die Turngeräte, viele schriftliche Unterlagen und die Fahne des Vereins verloren gegangen. Die Bevölkerung war zunächst mit der Beseitigung der Kriegsschäden beschäftigt. Erst im Sommer 1946 begann ein Neuanfang unter den Vorsitzenden Heinrich Brüggemann und Hubert Grübel. In Ermangelung von Turngeräten lag der Schwerpunkt der Vereinsarbeit im Bereich der Leichtathletik, zumal man wegen eines fehlenden Raumes im Freien üben musste. Erst 1950 konnten einige Turngeräte angeschafft werden. Von 1956 bis 1963 wurde, so gut es ging, im “Pfarrsaal”, einer früheren Scheune neben dem ehemaligen Pfarrhaus, geturnt. Danach konnte auch der Turnverein die neue Turnhalle an der Grundschule benutzen.
Um 1960 blühte der Turnbetrieb auf. Eine starke Kunstturnriege führte Vergleichskämpfe mit befreundeten Vereinen durch, Turner und Leichtathleten nahmen erfolgreich an Sportfesten und Meisterschaften (u. a. an Deutschen Turnfesten) teil, Schülerinnen, Schüler und Volkstanzgruppen wurden durch Hilde und Renate Grübel, Helga Kneer, Clemens Hechmann und Franz Tillmann betreut.
Etwa um das Jahr 1970 verlagerte sich der Schwerpunkt der Vereinsarbeit. Das Mädchen- und Frauenturnen gewann, vor allem Dank des unermüdlichen Einsatzes von Christel Lex, immer mehr an Bedeutung. Es entstanden Trimm-dich- und Gymnastikgruppen, es wurden Volkstänze einstudiert und das Mutter-und-Kind-Turnen gepflegt. Bis heute haben diese Aktivitäten Bestand, weil sich viele ehrenamtliche Helfer, vor allem Helferinnen, uneigennützig engagieren. Im Bereich des Jungenturnens hat sich über viele Jahre hinweg Winfried Tillmann große Verdienste erworben.
(Quelle: Oberhundem Chronik/Artikel: Franz Tillmann)
