Schützenverein Oberhundem 1870 e.V.

schützenverein
Ulrich Rameil (1. Vorsitzender)
Schützenverein Oberhundem 1870 e.V.
Kalberweg
57399 Kirchhundem
www.schuetzenverein-oberhundem.de
Schützenfest 2006

Allgemeines zur Entwicklung des Schützenwesens

Ob die Bezeichnung „Schützen“ von Schutz oder Schießen herrührt, beides hat die Entwicklung dieser Gemeinschaft beeinflusst. Die ersten Schützengesellschaften entstanden Ende des 13. Jahrhunderts in Flandern. Als in der Mitte des 14. Jahrhunderts in Europa eine Pestepidemie ausbrach und in drei Jahren fast ein Drittel der Menschen dahin raffte, entstanden in vielen Orten sog. Pestbruderschaften, die sich der Versorgung der Kranken und der Bestattung der umherliegenden Leichen annahmen und sich um die Hinterbliebenen kümmerten. Im Laufe der geschichtlichen Entwicklung erfolgte auf der Schützenebene eine allmähliche Wandlung von Bruderschaften in Schützenbruderschaften. Sie breiteten sich von Flandern strahlenförmig nach Süden, Osten und Norden aus. Um 1400 hat die Schützenbewegung bereits die nördlichen Niederlande, das Rheinland und Westfalen erreicht.

Aufgrund der zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen des Mittelalters nahmen die Verteidigung von Orten und Gebieten und regelmäßige Waffenübungen mit Pfeilbögen und Armbrüsten einen breiten Raum ein.

Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) brachte in Europa und besonders auch im Sauerland viel Not, Leid, Tod und Religionsstreit über die Bevölkerung. Die jahrzehntelangen Kriegshandlungen, Durchmärsche fremder Truppen mit Plünderungen, Tyrannei und Brandschatzungen führten auch im Sauerland zu völliger Verarmung. Die Schützen und Bürgerwehren der Orte hatten den schwer bewaffneten Söldnertruppen bald nichts Gleichwertiges mehr gegenüberzustellen, und so spielten sie nur noch eine untergeordnete Rolle im Kriegsgeschehen. Dafür leisteten sie nun Gemeinschaftsdienste. Sie gewannen dadurch an Attraktivität und konnten sich im Einsatz bei Katastrophen und innerörtlichen Notständen, wie Feuersbrünsten, Hochwasser, Seuchen oder auch als Ehrengarden bei hohem Besuch bewähren und ihr Ansehen steigern Hinzu kam die Pflege einer traditionsgebundenen Geselligkeit, des echten Bürgersinns und eines ausgeprägten Verantwortungsgefühls des Einzelnen für die Allgemeinheit.

An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert setzte eine Entwicklung ein, welche die damalige Welt von Grund auf verändern sollte. Durch die Französische Revolution und die napoleonischen Kriege waren die alten Ordnungen zerbrochen. Aus den Ämtern und Kirchspielen bildeten sich nach und nach neue Gemeinden. Dieses bewirkte, dass sich im Laufe des 19. Jahrhunderts das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bevölkerung in einer neuen Weise auszurichten begann.
Gemäß dem neuen Zeitgeist begannen die Schützenvereinigungen nun die Standesunterschiede aufzuheben. Schütze brauchte nur noch der zu werden, der es auch wirklich wollte. Als Organisationsform hatte das Bürgertum nach 1815 den Verein entwickelt, den freiwilligen Zusammenschluss Gleichgesinnter, zum Zweck, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Die Schützengesellschaften gaben ihre ordnungsstiftenden Ziele auf, die nun voll und ganz vom Staat und den Gemeinden übernommen wurden.

Vorrangig beschränkten sich die Schützenvereinigungen auf den kulturellen Bereich, die Pflege der bürgerlichen Geselligkeit mit rein ideellen Zügen. Das Schützenfest gilt seitdem als Volksfest schlechthin. Auch die allmähliche Besserung der Lebensverhältnisse breiter Bevölkerungsschichten förderte die Bereitschaft, Schützengesellschaften zu gründen.


Schützenverein Oberhundem e.V.

Auch die Gründung unseres Schützenvereins fiel in die Zeit, in der ein wachsendes deutsches Nationalbewusstsein und ein zunehmendes Interesse an der vaterländischen Geschichte dem Schützenwesen neue Impulse gaben. Der Schützenverein Oberhundem wurde im Jahre 1870 gegründet. Damit ist er der älteste Verein im Oberhundemer Kirchspiel und der älteste Schützenverein in der Gemeinde Kirchhundem. Nur kurze Zeit später, im Jahre 1872, bildete sich der Kriegerverein Oberhundem. Trotz Ähnlichkeiten, z. B. in der Festgestaltung oder durch eine gemeinsame Kassenführung, unterschieden sich Schützenverein und Kriegerverein in wesentlichen Punkten. Während der Kriegerverein vorrangig militaristische Werte verfolgte, ging es dem Schützenverein um die traditionsbewahrenden Ideale und die Pflege heimatlichen Brauchtums. Den Zusammenbruch der Nazi-Diktatur überlebte der Kriegerverein nicht.Im Jahr 1896 wurde beschlossen, dass zum jährlich stattfindenden Schützenfest ein blauer Kittel getragen werden muss. Diese Tracht ist noch heute das „Markenzeichen“ der Oberhundemer Schützen. Er war schon früher das Fest- und Sonntagskleid der Bauern. Mitglieder, die nicht am Festzug teilnahmen, mussten Strafe zahlen und wer ohne Kittel zum Fest kam, wurde als Fremder behandelt und musste Eintrittskarten lösen. Daraus lässt sich schließen, dass die Mitglieder sehr legten. Die ersten großen Lücken in die Reihen des Vereins schlug der 1. Weltkrieg 1914 – 1918.

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Parade mit Stechschritt vor dem alten Schützenzelt

Bald nach dem Krieg fanden sich einige Männer, die versuchten, wieder alljährlich ein Fest zu feiern, das an die Tradition des Vereins anknüpfte. 1939 begann die nächste große Unterbrechung aufgrund des 2. Weltkriegs. Die Vereinsaktivitäten kamen zum Erliegen und Schützenfeste wurden verboten. Viele Schützenbrüder wurden eingezogen. Die Tafeln am Ehrenmal am Ortseingang geben Zeugnis davon, wie viele von ihnen in den beiden Weltkriegen ihr Leben ließen. Die Gesetze der damaligen Besatzungsmacht hinderten die Bewohner der Gemeinde nach dem Krieg an einer Fortführung des Schützenvereins. Erst 1949 taten sich einige mutige Männer zusammen und gründeten einen Heimatschutzverein. Unter einem anderen Titel durfte der Verein zunächst nicht wieder in Erscheinung treten. Aus dem Jahr 1950 stammt auch die jetzige Fahne. Die alte wurde im Krieg zerstört.

1951 wurde das Kaiserschießen erstmals durchgeführt. Zunächst im 10jährigen Turnus, später alle 5 Jahre wird dabei unter allen ehemaligen Königen ein Kaiser ermittelt.

Alle Kaiser des Schützenvereins Oberhundem:
  • 1951–1961 WilliLudwig
  • 1961–1970 Toni Schmelter
  • 1970–1980 Ewald Tigges
  • 1980–1990 Karl Troester
  • 1990–1995 Karl-Heinz Führt
  • 1995–2000 Helmut Tillmann
  • 2000–2005 Herbert Schauerte
  • seit 2005 Franz-Josef Führt

Im Jahr 1972 wurde eine eigene Jungschützenabteilung gegründet, die ihren eigenen Regenten ermittelt. Der erste Jungschützenkönig wurde Gisbert Jung.
Der Schützenverein Oberhundem ist im Kreisschützenbund Olpe und im Sauerländer Schützenbund organisiert. Auf diesen Ebenen wurde 1974 Toni Schmelter Bundesschützenkönig und 1991 Udo Schöttes Kreisschützenkönig. Die Amtsdauer beträgt dabei jeweils 3 Jahre.

Der Schützenverein Oberhundem hat derzeit 683 Mitglieder.

(Quelle: Oberhundem Chronik/Artikel: Werner Müller)

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