Flurnamen im Kirchspiel

Oberhundem-Folge 1

In der „preußischen Uraufnahme von 1831/32", im Volksmund meist „Urkataster" genannt, und anderen alten Dokumenten finden sich viele Flurnamen deren Bedeutung sich uns heute nicht mehr auf den ersten Blick erschließt. Wir möchten diese Flurnamen in einer unregelmäßigen Artikelfolge vorstellen und versuchen, deren Bedeutung gemeinsam mit den Lesern zu ergründen.

Den Anfang machen die Flurnamen aus dem Bereich Selbecke.


Buchhagen, Eichhagen

Buchhagen und Eichhagen sind Gebiete zwischen Haus Bruch und Würdinghausen. Der Name ist zusammengesetzt aus „Buch-" bzw. „Eich-" und „Hagen". Mit „Buche" und „Eiche" sind die bekannten Laubbäume beschrieben, die früher vermutlich in diesem Gebitet standen. „Hagen, Hag" ist ein umfriedetes, umzäuntes oder mit einer Hecke umgebenes Gebiet. Das heutige „Gehege" stammt aus dem gleichen Ursprung.


Kortmicke

Zusammengesetzt aus „Korte" und „Micke". „Kort", plattdeutsch für kurz, „Micke, Mecke, Bicke, Becke", plattdeutsch für Bach. Ob dieser Bach mit dem Siepen gleichzusetzen ist, das heute den Namen „Haue" trägt, ist ungewiss. Die Haue mündet oberhalb des Hofs Mönnig (Soiten) rechtsseitig in die Lannmecke. Erstmalig begegnet uns der Name im Jahr 1565 als „Jacob uff der Kortmicke" zur Zahlung von Abgaben herangezogen wird. Noch heute trägt in Selbecke das Haus der Familie Hubert Schulte den Hofnamen „Kortmicke", der mittlerweile aber eher „Kiätmecker" gesprochen wird.


Lannmecke auch Landmecke, Lannemecke oder Lamecke

Vermutlich verschliffen aus „Langmecke", langer Bach. Die Lannmecke entspringt am Südhang des Illbergs und mündet unterhalb Selbecke rechtseitig in die Selbecke.


Rotzhelle
 
Die Rotzhelle ist das Gebiet beiderseits des Hohlwegs, der in Selbecke zwischen den Häusern Höninger (Piepers) und Brinkschulte (Träosts) zur Höhe führt. Der Name setzt sich „Rotz" und „Helle" zusammen. Die Bedeutung von „Rotz" ist bisher ungeklärt. Unter „Helle" versteht man einen steilen Weg aus der Höhe. Die früheste bekannte Erwähnung der „Rotzhelle" ist eine bis ins Jahr 1659 zurück reichende Schuldverschreibung an die Kirche zu Oberhundem, in der die Rotzhelle als Gebiet beiderseits des Driftweges bezeichnet wird. Es gibt bis heute keinerlei Anzeichen, dass mit „Rotz" die umgangssprachliche Bezeichnung für Nasenschleim gemeint sein könnte. Die im Kirchspiel verbreiteten Familiennamen „Rötz", „Rütz" und „Reutz" treten in Selbecke ebenfalls nicht auf. Daher bietet sich die Suche nach plattdeutschen Begriffen an, die ähnlich wie „Rotz" klingen.

 

Hinweise, Korrekturen und Ergänzungen bitte an Peter Tröster (Tel.: 71 71 18 oder Email: peter.troester@t-online.de)


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