Aus alter Zeit
Der Anfang des 17. Jahrhunderts ist geprägt von kaltem, regnerischen Klima, das mehrere Missernten nacheinander zur Folge hat. Die verzweifelte Bevölkerung, die dafür keine andere Erklärung findet, sucht die Schuld bei Außenseitern der Gesellschaft, die dann als Hexen oder Hexer angeklagt, gefoltert und teilweise auch verbrannt werden.1618 bricht der 30-jährige Krieg aus. 1635/36 wird Oberhundem, wie das übrige Sauerland auch von der Pest heimgesucht. 1648 endet der 30-jährige Krieg dann endlich. Pest und Krieg haben viele Opfer gefordert. Viele Höfe sind abgebrannt oder liegen wüst. Der Bau der Adolfsburg liegt noch 25 Jahre in der Zukunft.

Womit bestreiten unsere Altvorderen in dieser Situation ihren Lebensunterhalt? Aus den Jahren 1648/51 ist ein Leibschatzungsregister erhalten die viele Einzelschicksale erahnen lässt.
Der überwiegende Teil der Bewohner der 33 Höfe und Kötterhäuser in Oberhundem arbeitet, wie kaum anders zu erwarten, direkt oder indirekt in der Landwirtschaft; doch sind auch eine beträchtliche Anzahl an anderen Beschäftigungen zu verzeichnen. Wer glaubt, zu dieser Zeit werden nur Kühe, Schafe und Schweine gehütet, täuscht sich gewaltig.
So finden wir gleich drei Zimmerleute Jost Koster, Peter Hane und Jacob Schneider, die wohl mit dem Wiederaufbau der vielen abgebrannten oder verfallenen Gebäude gut ausgelastet sind.
Frantz Doerenbach, der Schlösser schmiedet, kann dagegen vermutlich von der Kundschaft aus dem Kirchspiel allein nicht seinen Unterhalt bestreiten. Ebert Weber und Georg Huttman zwei Linnenweber fertigen feinere Tuchwaren wie Tisch und Bettwäsche, denn die groben Wollstoffe werden an den langen Winterabenden in den Familien selbst gewebt.
Wie arbeitsaufwendig die Herstellung und Reparatur von Schuhwerk war, erkennt man daran, dass es mit Thonies Ludwigs sowohl einen Schuhmacher als auch mit Caspar Monnich einen Flickschuster gibt. Kesselflicken beschert Jacob Struck sein Auskommen.
Die folgenden Berufe lassen es heute kaum möglich erscheinen, sich davon zu ernähren: Ebert vom Kirchhoffe ernährt sich mit Bekerben, was wohl bedeutet, dass er schnitzt. Jacob Beierman ist Leppelmacher (Löffelmacher) und Jacob Beer ernährt sich vom Fischfang. Was die Aufgaben von Hans Contze als Werlischem Briefträger sind, konnte bisher allerdings nicht eindeutig geklärt werden. (Peter Tröster)